Willy Trott

(geb. 23.03.1909 Wahlwinkel bei Gotha, gest. 23.09.1973 Neuhaus)

Biografische Notizen erzählt von Heidi Hoyer, Tochter von Willy Trott, am 8.9.2009 und 30.04.2020. Gespräche geführt mit Heinrich Oys.

Vor dem Krieg (1933-1936) hat mein Vater Reformpädagogik bei Peter Petersein in Jena studiert, der als neue Lehrmethode den sog. „Jenaer-Plan“ entwickelt hat. Seine ehemaligen Studenten, die „Petersen-Jünger“, gingen 1947 über die grüne Grenze nach Braunschweig und besuchten dort einen Vortrag ihres Professors, Peter Petersen. Alle waren auf der Suche nach Anstellungen, um den Jena-Plan zu verwirklichen. Es waren: Frau Voigt, Herr Riedel, Alfred Löffler und Dr. Ruppert, der bei Petersen promoviert hatten. (Anm. Frau Voigt und Herr Riedel wurden Lehrer unter Trott in der Heimschule. Alfred Löffler war Hospitant, während seiner Zeit auf Burg Neuhaus zeichnete er zahlreiche Bilder, die Frau Hoyer dem Freundeskreis schenkte.)

Porträtfoto Trott, Archiv des Freundeskreises Burg Neuhaus, Schenkung Heidi Hoyer geb. Trott

Auf Burg Neuhaus gab es ein Kinderheim. Man suchte einen Heimleiter. Von Petersen informiert, bewarb sich mein Vater auf die Stelle, die er nach der Entnazifizierung im Februar 1948 antreten konnte. Hier auf Burg Neuhaus konnte er den Jenaer-Plan realisieren. Im ganzen Regierungsbezirk Braunschweig suchte er nach ehemaligen Kommilitonen und lud sie auf die Burg Neuhaus ein und versuchte sie an andere reformpädagogische Schulen zu vermitteln. Viele Pädagogikstudenten kamen zum Hospitieren an die Heimschule.

Die Schülerzahl betrug damals ca. 80, die in fünf verschiedenen Gruppen wohnten, nach Jungen und Mädchen getrennt. In der Untergruppe 1-3 der Schule unterrichteten Frau Voigt und Frau Stapp (später verheiratete Löding); Herr Riedel die Mittelgruppe 4-6 (er wurde später Lehrer in Danndorf) und die Obergruppe Kl. 7/8 mein Vater Willy Hoyer.


Mein Vater war Heimleiter und Lehrer, meine Mutter Resi wurde Wirtschaftsleiterin. Zusammen mit 5 Erzieherinnen und dem Hausmeisterehepaar Adler bewirtschafteten sie den gesamten Heimschulkomplex, Herr Adler hielt die Dampf-Zentralheizung in Gang.

Zunächst wohnten meine Eltern in der Burg, anschließend im Obergeschoß des Verwalterhauses. 1956 bezog die Familie ein Eigenheim Am Seeteich 7 in Neuhaus.


Das Heim war eine in sich abgeschlossene Welt. Es gab wenig Kontakte mit der Dorfbevölkerung außer dem Feuerwehrball. Nach dem Vorbild des SOS-Kinderdorfes in Imst/Tirol löste mein Vater die alten Gruppen auf und bildete Familiengruppen. Je eine Erzieherin wurde für eine Gruppe zuständig und lebte mit den Kindern in einem Familienverbund. So wurde nicht mehr gemeinsam mit allen im Rittersaal gegessen, sondern die Kinder holten das Essen in die Familiengruppe.

Porträtfoto Trott, Archiv des Freundeskreises Burg Neuhaus, Schenkung Heidi Hoyer geb. Trott

Die Heimkinder hatten das ganze Burggelände incl. dem Burgpark zur Verfügung. Auf dem Hausteich bildete ein umgestürzter Baum eine Brücke zur Insel. Sie paddelten in alten Holztrögen und liefen im Winter auf dem zugefrorenen Teich Schlittschuh.

Die Schulräume in der Burg waren sehr baufällig. (Anm.: Die Planung für den Neubau der Schule gestaltete Willy Trott noch mit.) Aber er verließ die Schule 1956, nach 8 Jahren Aufbauarbeit, da er von den Schulräten nicht mehr die nötige Unterstützung für seine pädagogische Arbeit bekam. (Anm.: Sein Nachfolger wurde Egon Wauschkuhn, der hauptamtlich Schulleiter der Volksschule Neuhaus wurde und nur noch im Nebenamt Leiter der Heimschule war). Die Trennung von Heim und Schule vollzog sich mit dem Weggang von Willy Trotts. Er übernahm eine Stelle als Berufsschullehrer in Braunschweig.